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Fr 27.11.2009 11:00 - Armut hat viele Gesichter - auch im Werra-Meissner-Kreis?
"Wer über Armut spricht, kann zu Thema Reichtum nicht schweigen" erklärte Professor Franz Segbers auf einer Veranstaltung am 19. November 2009 der Arbeitsgemeinschaft Diakonischer Dienste Werra Meißner im Alten E-Werk in Eschwege. Das private Geldvermögen in der Bundesrepublik Deutschland steigt kontinuierlich, aber das Geld verteilt sich auf immer weniger Menschen: 80 % des Geldvermögens gehört nur 20 % der Bevölkerung, führt Segbers aus. Ein Rückgang des Einkommens ist bei mittleren und unteren Einkommen zu verzeichnen, während die bereits hohen Einkommen weiter steigen. Aufgrund dieser Beobachtung betont Segbers, dass Verteilungsgerechtigkeit und Teilhabegerechtigkeit die zentralen gesellschaftlichen Themen sind. Die Gesellschaft ist herausgefordert, einen Konsens über Solidarität und Gerechtigkeit zu erzielen. Der Regelsatz für Hartz IV-Empfänger reicht nicht aus, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Der Regelsatz für ein Paar mit einem Kind liegt bei 833 € im Monat. Nach Berechnungen der EVS (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe) benötigt ein Paar mit einem Kind aber 947 €. Damit ist Kinderarmut in Deutschland das Ergebnis falscher politischer Entscheidungen. Völlig unverständlich ist, dass im Regelsatz für Kinder unter 14 Jahren ein Betrag für Tabakwaren vorgesehen ist, nicht aber ein Betrag für Bildung. Hier erscheint eine Anpassung und Neuberechnung dringend erforderlich.

Einen Einblick in die Lebenssituation von Menschen, die von Armut betroffen sind, gaben Frau Roth-Graulich (Kindertagesstätten), Ursula Hesse (Sozialer Stadtteilladen Heuberg), Karin Weinsberg (Allgemeine Sozial- und Lebensberatung) und Martin Röder (Flüchtlingsberatung).

Diakoniepfarrer Markus Keller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diakonischer Dienste Werra-Meißner, unterstrich in seiner Moderation die Bedeutung des Themas Armut für den Werra-Meißner Kreis: gut 10 % der Bevölkerung des Kreises leben in Bedarfsgemeinschaften, etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen erhalten Sozialleistungen und mehr als 25 % der Kindertagesstättenbeiträge im Kreis werden vom Sozialamt getragen, da die Familien die Beiträge nicht selbst aufbringen können.

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich Diakoniepfarrer Keller bei Prof. Segbers für den lebendigen Vortrag und das mutige Eintreten für die Rechte der Menschen, die von Armut betroffen sind.
Prof. Segbers bei seinem lebendigen VortragMartin Röder berichtet von der Armut an Rechten aus der FlüchtlingsberatungDiakoniepfarrer Markus Keller, Moderator der VeranstaltungProf. SegbersDiakoniepfarrer Keller und Prof. Segbers

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